„Ordnung ist die Verbindung des Vielen nach einer Regel“ (Teil 1)

Mit seiner Feststellung „Ordnung ist die Verbindung des Vielen nach einer Regel“ legte Immanuel Kant – natürlich unbewusst – auch den theoretischen Grundstein für eine universelle CMDB. Doch wie setzt man diese Erkenntnis Kants am besten um? Wie macht man daraus eine gut strukturierte CMDB? Hat man von einer CMDB einen wirklichen Nutzen? Und was ist nach ihrer Inbetriebnahme zu beachten? Diesen und weiteren Fragen möchte ich mich in diesem mehrteiligen Blog-Beitrag eingehender widmen und dabei verschiedene Aspekte eines CMDB-Projekts beleuchten.

CMDB – ein theoretisches Ungeheuer oder tatsächlich alltagstauglich?

CMDB (Configuration Management DataBase) ist eines dieser Akronyme, die einen – gefühlt – schon Jahrzehnte im IT-Alltag begleiten und ein eher diffuses Bild von ihrer Existenz hinterlassen. Ich muss zugeben, dass ich mich immer wieder mal beim darüber Nachdenken erwische, ob eine CMDB in der Praxis wirklich das leistet, was sie als eine der zentralen Instanzen des ITIL-Frameworks theoretisch leisten sollte. Ich denke, dass überall dort, wo das CMDB-Konzept umgesetzt wird, dies auch effektiv und im Sinne der Einführung eines Service Managements passiert. Doch die Frage bleibt, ob die CMDB auch effizient genutzt werden kann, sodass letztlich die zentralen Geschäftsprozesse davon profitieren. Ausschlaggebend dafür, ob eine CMDB effizient genutzt werden kann, ist ihr struktureller Aufbau. Sie muss nach aktuellen unternehmensspezifischen Anforderungen designt sein. „Aktuell“ bedeutet hierbei, dass sich Anforderungen mit der Zeit ändern können und dass die CMDB solchen Änderungen folgen und diese abbilden können muss. Doch bevor ich auf die wesentlichen Eckpunkte eines erfolgreichen Aufbaus und Betriebs einer CMDB eingehe, sollten die typischen W-Fragen geklärt werden:

  • Was ist das, eine CMDB?
  • Wozu und wann brauche ich eine CMDB?
  • Welchen Nutzen hat sie und für wen?
  • Wie muss sie aufgebaut sein?
  • Wie pflege ich sie?

Nicht jeder ist mit der Konzeption einer CMDB tiefgehend vertraut. Daher kommen im Alltag auch Fragen auf wie: „Kann man eine CMDB auch bereits fertig konfiguriert kaufen?“, oder „Brauche ich überhaupt eine CMDB, wenn ich doch alles, was ich an Datenhaltung benötige, in Excel pflege?“ Tatsächlich ist die letzte Frage gar nicht so abwegig. Geht es bei einer CMDB nicht darum, zu wissen, was man an Inventar hat, wo es steht, ob es Lieferantenverträge gibt, wer dafür verantwortlich ist, wer es nutzt usw.? Hat man dieses Wissen nicht bereits in Excel-Tabellen oder anderen Dokumenten und Datenbanken? Ist das nicht eigentlich schon eine Art CMDB? Und außerdem heißt es doch: „Never touch/change a running system!“ Gilt diese altehrwürdige Weisheit der IT plötzlich nicht mehr?

An dieser Stelle lohnt ein kurzer Ausflug in die Welt der Redewendungen, denn diese pseudoenglische Phrase ist eines der großen Missverständnisse der modernen IT und ein schönes Beispiel dafür, was passiert, wenn verschiedene Sprachen unbehutsam interpretiert und Sinnzusammenhänge falsch gedeutet werden. Einmal in die Welt gesetzt, halten sich solche Idiome hartnäckig und können kaum noch aus dem Alltag beseitigt werden. Vermutlich leitet sich diese Phrase aus dem englischen “If it ain’t broke, don’t fix it!” ab, was so viel bedeutet wie: „Man soll nicht reparieren, was nicht kaputt ist“. Das hört sich doch schon eher nach einem vernünftigen Ratschlag an, oder? Denn wie soll man ausgerechnet in der heutigen IT, in der der technische Fortschritt rasant ist und ältere Systeme bereits nach zwei bis drei Versionen kaum noch kompatibel zu den neuen Versionen sind, ein System solange es geht unangetastet lassen? Schlimmer noch, die Entwicklung hat so stark Fahrt aufgenommen, dass ständig disruptive Ansätze produziert werden, sodass es unmöglich scheint, der Kontinuität bereits erfolgreich laufender Systeme zu huldigen ohne dabei auch auf komplett veraltete Technik zu setzen. Diese beispiellose Entwicklung der Technik mündet in dem Hype unserer Tage: Digitale Transformation. Dieser macht mit Begriffen wie Agilität und kundengetriebener Servicierung allen starren Konstrukten – ob auf technischer oder auf organisatorischer Ebene – den Garaus. Wer sich dabei als Unternehmen nicht ständig verändert, den „Change“ nicht zu einer Konstanten macht und sich nicht stetig anpasst, geht unter. Stetiger Wandel kann jedoch nur auf einer strukturierten Basis stattfinden, sonst wird aus dem Wandel kein Nutzen extrahiert, sondern es entsteht Chaos. Hier kommen wir auch wieder zurück zu unserem Thema und können nun auch weitere Fragen beantworten:

Die CMDB ist das Werkzeug, welches „Ordnung“ in die sich ständig verändernden Infrastrukturen, Applikationen und Organisationsstrukturen bringt. Die CMDB ist ein Werkzeugt der IT, um Business-Prozesse durch Business-Services zu unterstützen bzw. diese manchmal überhaupt erst zu ermöglichen. Diese Servicierung der IT (aber auch sukzessive des gesamten Unternehmens) ist ihrerseits eine zwingende Notwendigkeit für eine erfolgreiche Digitalisierung. Wie weiter oben angedeutet, kann diese Anforderung natürlich auch mit Excel sowie anderen Datenmanagementsystemen bewerkstelligt werden. Insbesondere in sehr kleinen Infrastrukturen ist dies eine bewältigbare Aufgabe. Doch erfordern größere Umgebungen und weitere Anforderungen der Servicierung (mehr dazu später) Eigenschaften, welche nur durch eine spezielle CMDB-Software sinnvoll abgedeckt werden können. Die Ordnungskriterien der CMDB werden aus Business-Prozess-Sicht definiert, die CMDB ermöglicht dabei eine Flexibilisierung und damit Dynamisierung der Ordnungsstrukturen. Oberstes Ziel eines CMDB-Projektes sollte immer sein, den dahinterliegenden Nutzen in den Mittelpunkt zu stellen, denn die CMDB ist kein Selbstzweck, sondern ein Ordnungswerkzeug, um den agilen Service-Betrieb der IT über eine längere Zeit zu garantieren, und dient einzig dazu, die Geschäftsprozesse optimal zu unterstützen.

Es gilt der Satz: „Wer Nutzen sät, wird Nutzen ernten.“

Im nächsten Teil widme ich mich noch eingehender dem Nutzen sowie dem Aufbau einer gut strukturierten CMDB.

 

Autor: Kürsad Gögen, Portfolio Manager

Kontakt: Kuersad.Goegen@dot4.de

 

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