Discovery von Netzwerkgeräten – Teil 3

In den ersten beiden Blog-Artikeln dieser Discovery-Serie wurden die Grundlagen der Datenbeschaffung behandelt (siehe Discovery von Netzwerkgeräten – Teil 1 und Discovery von Netzwerkgeräten – Teil 2). In diesem Teil geht es nun darum, was ein Discovery-Tool zusätzlich können muss, um dem Nutzer einen wirklichen Mehrwert zu bieten.

Die Normalisierung der Daten

Warum ist eine Normalisierung überhaupt nötig, wo doch alle Informationen in den entsprechenden MIBs liegen? Wie im ersten Teil beschrieben, gibt es nur einen kleinen Bereich innerhalb des MIB-Baumes, der für alle SNMP-fähigen Geräte verpflichtend ist. Die meisten Daten sind jedoch in den privaten MIBs der Hersteller eingepflegt. Da für deren Aufbau der Hersteller selbst verantwortlich ist, sind entsprechende Informationen unterschiedlicher Geräte nie über die gleiche OID abrufbar.

Dass Daten an unterschiedlichen Stellen im MIB-Baum liegen, ist jedoch nicht die einzige Herausforderung. Oft sind wichtige Informationen über verschiedene Variablen verteilt oder besitzen unterschiedliche Einheiten.

Erkennen des Gerätes

Um eine Normalisierung der Daten vornehmen zu können, ist es zunächst wichtig, das entsprechende Gerät zu erkennen. Hierfür verwendet man am besten die MIB-Variable RFC1213-MIB|sysObjectID.0. Diese Variable wird von jedem Gerätehersteller gepflegt und enthält meist etwas kryptische Werte.

Hier zwei Beispiele für eine sysObjectID:

Hersteller Gerätebezeichnung sysObjectID
Cisco Switch C3560c catwsC3560C8pcS
Avaya Switch VSP8404 Core rcVSP8404

Über eine einzige SNMP-Abfrage auf die sysObjectID kann man nun sehr leicht das Gerät identifizieren.

Normalisieren der Daten

Bei eingepflegter privater MIB ist es nach Erkennen des Geräts theoretisch möglich, direkt auf die entsprechenden Variablen zuzugreifen und eine CMDB zu füllen. Da aber in einem Netzwerk nicht nur eine Geräteklasse eines Herstellers im Einsatz ist, wäre es für den Anwender mit sehr großem Aufwand verbunden, die entsprechenden Daten zu erhalten.

Ein gutes Discovery-Tool sollte nicht nur einfach alle von den Geräten zur Verfügung gestellten Daten liefern, sondern vielmehr dem Anwender die Informationen so aufbereiten, dass er direkt damit weiterarbeiten kann. Um dies zu verdeutlichen, greifen wir das Hausbewohner-Beispiel aus den ersten beiden Teilen auf:

Nehmen wir an, dass jede Stadt eine eigene private MIB besitzt und dort die Anzahl der Bürger pro Straße und Haus verwalten kann. Wie die Gerätehersteller hat jede Stadt unterschiedliche Variablen für sich selbst definiert.

 

München Stuttgart Berlin
München.Straße.Hausnummer.Maenner

Wert = „7“ (Zahl)

Stuttgart.Straße.Hausnummer.Bewohner

Wert = „15“ (Zahl)

Berlin.Straße.Hausnummer.Maenner

Wert = „10 Bewohner“ (String)

München.Straße.Hausnummer.Frauen

Wert = „4“ (Zahl)

Berlin.Straße.Hausnummer.Frauen

Wert = „3 Bewohner“ (String)

Bereits an diesem einfachen Fall lässt sich erkennen, dass es ohne Normalisierung sehr aufwendig ist, die Anzahl der Bewohner eines Hauses zu ermitteln. In den Städten München und Berlin müssen Daten aufsummiert werden; zudem muss bei der Ermittlung der Daten in Berlin auch noch die Einheit „Bewohner“ aus dem String abgeschnitten und diese dann in eine Zahl umgewandelt werden.

Für die Normalisierung würde nun das Objekt „Anzahl Bewohner eines Hauses“ definiert. Dazu würden dann – abhängig von der sysObjectID – jeweils folgende Formeln hinterlegt:

München = …Maenner+…Frauen

Stuttgart = …Bewohner

Berlin =  abschneiden der Einheit „ Bewohner“, umwandeln in Zahl, aufsummieren der Werte für Frauen und Maenner

 

Gute Discovery-Tools liefern bereits Normalisierungsdatenbanken mit aus und erleichtern es dem Anwender, an die gewünschten Informationen zu gelangen. In unserem Beispiel wird nun nur noch das Objekt „Anzahl Bewohner eines Hauses“ abgefragt, ohne dass sich der Anwender um die hierfür nötigen Strukturen und Formeln kümmern muss. Das Discovery von dot4 liefert derzeit standardmäßig mehr als 25.000 solcher Normalisierungen mit aus.

Fazit

Die Normalisierung vereinfacht die Darstellung komplexer Datenstrukturen und ermöglicht es dem Anwender, ohne großen Aufwand Informationen greifbar zu machen. Auch wenn über eine standardisierte Normalisierungsdatenbank nie alle Anwendungsfälle abgedeckt werden können, erspart sie dem Nutzer doch sehr viel manuelle Arbeit.

 

Autor: Martin Erl, Leiter Software Entwicklung

Kontakt: Martin.Erl@realtech.com

 

Netzwerktopologien auf Knopfdruck: Alles über den Information Hub dot4

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