Wie performant ist Ihr SAP-System im Vergleich zum Markt?

SAP-Systeme bilden in vielen Unternehmen das Fundament für den reibungslosen Ablauf der Geschäftsprozesse. Die Performance der zugrundeliegenden technischen Systeme wirkt sich bis auf die Prozessperformance aus. Im Zuge der Digitalen Transformation liegt der Fokus auf automatisierten, performanten und zugleich kundenorientierten Services, beispielsweise eine Abfrage des Lagerbestands eines einzelnen Artikels mit Anzeige der Verfügbarkeit im Webshop. Bei diesem Beispiel stellt sich die Frage, wie lange ein potenzieller Kunde im Webshop auf die Anzeige der Verfügbarkeitsprüfung warten würde.

Sollte die Ladezeit der Verfügbarkeit 3 Sekunden überschreiten, bricht bereits ein Drittel der potenziellen Kunden den Einkauf im Onlineshop ab, bei 5 Sekunden ist der nächste Schwellwert, der ein weiteres Drittel zum Abbruch verleitet. Dieses Beispiel zeigt, wie sich die Antwortzeit von SAP- bzw. IT-Systemen auf das Konsumentenverhalten und letztendlich auf den Geschäftserfolg auswirkt. Aber nicht nur für Kunden ist die Performance der IT-Systeme relevant, sondern auch für Mitarbeiter, denn die Antwortzeit hat Einfluss auf die Anwenderzufriedenheit – und zufriedene Anwender sind motivierter, mit dem entsprechenden System zu arbeiten.

Zur Optimierung der Performance von SAP-Systemen unterstützen wir unsere Kunden mit verschiedenen Consulting Services. Wir verfügen über die langjährige Erfahrung aus vielen analysierten und optimierten produktiven SAP-Systemen und können zudem objektive Berichte über die Performance erstellen.

Eine Auswertung über unsere Benchmark-Datenbank zeigte auf, dass bei 11 % der von uns analysierten SAP-Systeme ein Sachbearbeiter insgesamt pro Woche mehr als 30 Minuten auf die Antwort bzw. Verarbeitung der Daten des SAP-Systems warten muss. Hochgerechnet auf ein Jahr, gehen dabei pro Mitarbeiter fast zwei Tage Arbeitszeit verloren.

Auswertung der SAP-Referenzsysteme in der REALTECH Benchmark-Datenbank hinsichtlich der Sachbearbeiter-Wartezeit auf Antwort/Datenverarbeitung des SAP-Systems

Im Rahmen unserer Analysen und Optimierungen der Performance von SAP-Systemen erkennen wir oft übereinstimmende Auffälligkeiten, da wir die Performance der Systeme im Vergleich zu den bereits analysierten Systemen auf dem Markt darstellen und Zusammenhänge durch individuelle Analysen der Korrelation aufzeigen. Viele produktive SAP-Systeme liefern folglich nicht die Performance, die technisch gesehen auf der gleichen Hardware möglich ist. Dazu zwei Tipps gegen Performance-Killer:

Tipp 1: Datenbankgröße reduzieren

Das starke Wachstum der technischen Tabellen ist in vielen SAP-Systemen auffällig, beispielsweise folgende Tabellen: BALDAT, DBTABLOG und SWWLOGHIST. Zur Performancesteigerung empfehlen wir unseren Kunden, regelmäßig Archivierungen und Reorganisationen auf der Datenbank vorzunehmen.

Die Tabelle BALDAT enthält Protokolle, die gelöscht werden könnten. Dazu führen Sie den Report SBAL_DELETE aus. Hilfe dazu finden Sie in SAP NOTE 19157.

Änderungen an Customizing-Objekten werden in der Tabelle DBTABLOG protokolliert. Entweder können Einträge gelöscht oder archiviert werden. Zum Löschen können Sie den Report RSTBPDEL ausführen. Eine Archivierung hingegen wird mit der Transaktion SARA und dem Archivierungsobjekt BC_DBLOGS ausgeführt. Details können Sie in SAP NOTE 2335014 nachlesen.

Die Tabelle SWWLOGHIST enthält die Historie der Workitems. Die Anzahl an Workitems wächst mit der Zeit an. Es ist empfehlenswert, nicht mehr benötigte Workitems zu löschen bzw. zu archivieren. SAP NOTE 49545 enthält Informationen dazu.

Nach der Löschung bzw. Archivierung ist zu entscheiden, ob eine Reorganisation durchgeführt werden sollte. Bitte dazu SAP NOTE 53062 beachten.

Eine Archivierung von Belegen ist durchaus sinnvoll, führt aber wiederum zum Wachstum einzelner Tabellen. Unsere Projekterfahrung zeigt uns, dass die Archivierung von MM Dokumenten-Bestellungen zu einem Wachstum der Tabelle ZARIXMM1 führt. Durch die Archivierung von FI-Dokumenten wächst die Tabelle ZARIXFI2 an. Das ist dadurch bedingt, dass in diesen Tabellen die Indizes zu den archivierten Dokumenten gespeichert sind.

Tipp 2: Keine SE16(N) für komplexe Abfragen gegen die Datenbank

Mittlere Antwortzeit von direkten Lesezugriffen

In dieser Abbildung zeigen wir die mittlere Antwortzeit von direkten Lesezugriffen in einem produktiven ERP-System. Dabei fallen viele Spitzen deutlich über einer Millisekunde auf. Unsere Analyse ergab, dass diese Spitzen mit den direkten Lesezugriffen der Transaktion SE16(N) korrelieren.

Unsere Empfehlung ist, keine BW-Funktionalitäten durch komplexe SQL-Abfragen über SE16(N) im ERP-System einzuführen, da dadurch die Performance des gesamten Systems beeinträchtigt wird. Analysen sollten bei Systemen mit getrennten Datenbanken innerhalb des BW-Systems durchgeführt werden.

Allerdings ist die Vision, nicht mehr ein Standalone-OLTP-System und ein OLAP-System zu betreiben und durch die z. B. nachts stattfindende Datenreplikation aus dem ERP-System in das BW-System Entscheidungen nicht auf der Datenbasis vom Vortag, sondern aufgrund von Realtime-Daten zu treffen. Es bietet sich an, eine gemeinsame Datenbank über alle Systeme hinweg zu nutzen. Mit HANA hat SAP dafür eine Lösung parat, die es ermöglicht, so eine Single-Source-of-Truth-Strategie umzusetzen.

Wenn wir jetzt auf das anfangs erwähnte Beispiel der Verfügbarkeitsprüfung eines Artikels zurückblicken, dann können wir mit einer Datenbank wie HANA schnelle Antwortzeiten in der Abfrage der Verfügbarkeit erreichen und folglich performante Services für die Kunden anbieten. Für kundeorientierte Services ist es unabdingbar, dass Unternehmen ihre etablierten Geschäftsmodelle überdenken und auf ihre Zielgruppe zuschneiden. Dabei können durch Nutzung neuer innovativer Technologien und mit einem Business Process Management (BPM) neue Geschäftsmodelle, die auf digitalen Services basieren, entstehen. Für die erfolgreiche Transformation des Unternehmens steht BPM im Fokus. Mit BPM schaffen wir die Grundlage für Business-IT-Alignment, Prozessdigitalisierung, IT-Serviceorientierung und IT-Strukturharmonisierung. REALTECH führt und begleitet Sie auf Ihrem Weg zum Digital Leader. Mit Digital Leader bezeichnen wir den höchsten digitalen Reifegrad, den ein Unternehmen erreichen kann.

 

Autor: Sören Keuntje, Business Consultant

Kontakt: Soeren.Keuntje@realtech.com

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